WIENWOCHE 2025: „Breathe Again” nimmt gegenwärtige Formen des Imperialismus unter die Lupe

Von 12. bis 21. September 2025 findet die vierzehnte Auflage des Festivals WIENWOCHE in Wien statt. Unter dem Titel „Breathe Again“ bohrt WIENWOCHE 2025 mit künstlerischen und aktivistischen Mitteln kleine Lüftungsschächte in gesellschaftliche Zonen, die sich durch den Druck nationaler und globaler Imperialismen so verfestigt haben, dass vielen Menschen buchstäblich die Luft zum Atmen ausgeht.

Von Oktober bis Dezember 2024 hatte das Festival per „Open Call“ zur Einreichung von Projektvorschlägen eingeladen. 131 Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen folgten dem Aufruf. Ende Jänner 2025 fand die öffentliche Sitzung der Jury statt, die eine Shortlist an Projekten zur Umsetzung im Rahmen von WIENWOCHE 2025 empfahl. Die Jury bestand aus dem WIENWOCHE-Kurator:innen-Team, dem Vorstand des Trägervereins sowie drei externen Juror:innen: Daniel Romuald Bitouh (promovierter Literatur- und Kulturwissenschaftler, Gründer und Leiter von AFRIEUROTEXT in Wien), Christine Braunersreuther (Kuratorin, Journalistin, Pädagogin, Doktorandin am Labor für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung, Uni Göttingen) und Zoraida Nieto (Kultur- und Sozialanthro-pologin, Medienkünstlerin und feministische politische Aktivistin in Wien). Die Umsetzbarkeit der Juryempfehlungen wird derzeit diskutiert, Anfang Sommer 2025 folgt die offizielle Projektpräsentation.

Den Imperialismen von heute begegnen

Die künstlerische Leitung von WIENWOCHE 2025 liegt zu gleichen Teilen in den Händen von Jelena Micić und Araba Evelyn Johnston-Arthur. Beide befassen sich in künstlerischer, aktivistischer bzw. wissenschaft-licher Praxis schon länger mit Strategien des Anti-Imperialismus und Anti-Kolonialismus. Als Kurator:innen von WIENWOCHE 2025 halten sie nach Projektbeiträgen mit Wien-Bezug Ausschau, die den Aufbau internationaler Freund:innen-schaften vorantreiben, die sozial-ökologischen Kämpfe um eine gerechtere Welt aktivistisch-kreativ bereichern und nachhaltige Widerstands-Infrastrukturen etablieren. „Bis wir alle wieder frei atmen können“, so die WIENWOCHE-Leitung. Micić und Johnston-Arthur sind überzeugt, dass die Befreiung von Kolonialismus und Imperialismus nur gelingen könne, wenn Erinnerung widerständig erhalten und Respekt – vor den Menschen und ihren Lebensgrundlagen – gewahrt bleibe. Hilfreich seien Bezugnahmen auf historische antiimperialistische Bewegungen (z. B. blockfreie Staaten im Kalten Krieg) oder gegenwärtige Widerstandsformen (z. B. der anti-extraktivistische Kampf gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen oder Proteste illegalisierter Erntearbeiter:innen).

„Wie und wo manifestiert sich Imperialismus heute? Welche Folgen zeitigt er in den hegemonialen und in den kolonialisierten bzw. ausgebeuteten Gesellschaften oder Landstrichen? Welches widerständige Wissen, welche Praktiken können dagegen in Stellung gebracht werden? Und: Wie lassen sich transnationale Kollektive bilden, die sich gegen die dehumanisierenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen zeitgenössischer Imperialismen zur Wehr setzen und sie zum Thema der politischen Auseinandersetzung machen?“, fragen Micić und Johnston-Arthur.

Beispiele imperialistisch geprägter Verhältnisse finden sich auch in Österreich. „Denken wir an die Zugriffe österreichischer Banken sowie vieler anderer Dienstleistungs- und Industrieunternehmen auf die ökonomische Infrastruktur ehemaliger Kronländer der k. u. k. Monarchie. „Oder an die gut verdrängte Kolonialgeschichte“, meint Johnston-Arthur. „Die (binnen)koloniale Vergangenheit des vermeintlich supranationalen und multikulturellen Kaiserreichs kommt in der Selbstbeschreibung als historische Kulturnation nur selten ohne Glorifizierung zur Sprache“, meint die WIENWOCHE-Kuratorin. Im gegenwärtigen Österreich zeige sich der liberale Mainstream offen gegenüber postmigrantischen und diasporischen Kulturen. Allerdings vereinnahme er deren Fähigkeiten und Wissen, leiste jedoch wenig, um deren sozioökonomische Situation zu verbessern. Was es den aufstrebenden neo-faschistischen Kräften in Österreich umso leichter mache, die Ausbeutung und rassistische Stigmatisierung von Migrant:innen und BIPoCs zu normalisieren.

„Innerhalb der EU sind Menschen aus Nicht-EU-Ländern häufig in der Reinigungs-, Care- oder Baubranche tätig. Ohne Bürger:innenrechte halten sie die Gesellschaft am Laufen, zahlen Steuern, aber so gut wie keine Mitbestimmungsmöglichkeiten. Während ihre Bewegungsfreiheit und persönliche Weiterentwicklung massiv eingeschränkt werden, genießen Bodenschätze und seltene Erden ungehinderte Reisefreiheit. Die EU legitimiert den Abbau in sogenannten Drittstaaten, um der Green Transition der eigenen Industrie die materielle Basis zu liefern. Zerstörte Ökosysteme an den Orten des Abbaus gelten als Kollateralschaden“, argumentiert Micić.

Kooperationen im Vorfeld und während des Festivals

Darüber hinaus arbeitet WIENWOCHE 2025 im Zuge eines „Minute Museum of Resistance“ am Otto-Wagner-Areal mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) zusammen. Weitere Kooperationspartner sind das Kulturhaus Brotfabrik, das Volkskundemuseum Wien, das BM für europäische und internationale Angelegenheiten, Office Ukraine sowie die Akademie der bildenden Künste Wien.

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