RELEASE RADAR: NEW WELLNESS, ARNOLD BURK, UMAMI, HIGH TRANSITION, HEARTS HEARTS, UVM…!

Der Release Radar ist eine monatliche Auswahl an Single Releases aus dem Bereich Pop/Rock/Elektronik made in Austria. Die aktuellen Veröffentlichungen zusammengefasst von Dominik Beyer.

Siska – “no good” (SISKA, under exclusive License to Universal Music GmbH, Austria // 26.01.’24)

Nach lauwarmem Singer-Songwriter-Einstieg entwickelt sich der melancholische Track allmählich zu einem brodelnden Kessel. Die steril gestimmten, vocoderähnlichen Chorstimmen sowie das nachdenkliche Timbre von Sophie Schicketmüller aka Siska geben „no Good“ eine konstante Erdung, die auch die hektischen, weil off-beatlastigen Percussions nicht aus der Ruhe bringen. 
Eine ebenso interessante wie schöne Produktion und ein würdiges Debüt für die Künstlerin, die ihre Werke in Zukunft über das Label Universal Austria veröffentlichen wird.

Siska

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EN-60 –  “whatsapp“ (EPIC  //  26.01.2024)

EN-60 ist ein junger Underground Rapper aus Wien.  Mit seinem Track „Hollister“ hatte er einen sehr erfolgreichen Beitrag auf dem Mixtape von Yung Hurn und trat auch im Vorprogramm von ihm auf. Seit Herbst 2022 steht er bei Sony Music AT unter Vertrag. 
Der Song ist mit 1:23 nicht gerade lang, aber lang genug, um alle gängigen Klischees eines Rapsongs zu erfüllen, die gerade die Schülerinnen und Schüler in der letzten Reihe erfüllt sehen wollen, um ihn in ihre Playlist aufzunehmen. Da ist alles drin, was Mama so wunderbar entsetzt und die Lehrer die Augen verdrehen lässt. 
Wenn man dann auch noch gleich zu Beginn ein präsentes B*tches droppt und irgendwann noch fröhlich über Luxus-Designermarken metaphorisiert, dann ist das zeitgenössischen Werk provokanter Jugendlyrik schon so gut wie vollendet.
Unterlegt man die dadaistische Idee dann noch mit einem sich nicht auflösenden Ein-Takt-Loop, das den Eindruck einer hängenden Trap-Platte suggeriert, ist die Irritation perfekt und bereit für den Release.

En-60 (instagram)

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Arnold Burk – “Unten” (asdfghjk Records // 19.01.‘24)

Wien ist schön. Vielleicht fast schon zu schön. Gemütlich, günstig und sozial lebt es sich hier.
Mit anderen Worten also kein Ort, der einem automatisch in den Hintern tritt, um mehr aus seinem Leben zu machen. Denn umgeben von Hochkultur und stuckeriertem Altbau lässt es sich eigentlich richtig gediegenen abstürzen. Man ist sich seiner prekären Situation vielleicht auch gar nicht immer so bewusst. Eine Folge der kulturellen Wohlstandsverwahrlosung?
Egal. Arnold Burk lädt jedenfalls alle abstürzenden Suchenden in seine Wahlheimat Wien. Nach „Unten“ wie er es liebevoll nennt. Das Auffangbecken, die ihre Berlin Phase überlebt haben.
„Ich will nicht nach Wien“ wäre vielleicht auch noch ein passender Titel für diesen Song, und zugleich eine Anspielung auf den Kraftklub Hit „Ich will nicht nach Berlin“. Stilistisch nur einen Katzensprung entfernt.
Nur bleibt Martin seinem Instrument dem Kontrabass treu, und haucht dem krautigen Punkrock Debüt noch seine persönliche Rockabilly Note ein. Absturz heute am 19.01 im Central Garden in Wien.

Arnold Burk (Instagram)

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New Wellness – “Everybody OK” (Wohnzimmer Rec. // 19.01.’24)

Wie angenehm war es noch damals, als man sein Schicksaal voll und ganz in Gottes Hände geben konnte. Schwach fühlte man sich maximal angesichts der gebrochenen Neujahrsvorsätze. Doch die waren spätestens zu Heilig drei König wieder vergessen. 
Heutzutage ist gefühlt immer Neujahr, denn alle sprechen über Optimierungsmethoden. Ob Schritte zählen, Bildschirmzeit, Fasten, Morning Routine, Digital Detoxing, Therapie…. 
Konsequent ist dabei nur das schlechte Gewissen, welches zu beichten leider kaum Erlösung mehr bringt.
Lediglich der ehemalige We Walk Walls-Sänger Silvio Lenglachner a.k.a. New Wellness meldet sich zurück und erkundigt sich mit dem EP-Vorboten bei seinen Schäfchen nach dem allgemeinen Befinden. „Everybody O.K.?“ klingt sehr ehrlich gemeint, und bringt im entspannten Refrain auch wieder in Erinnerung, dass Dinge sich auch manchmal von selbst in Wohlgefallen auflösen können. „Eventually things will get better…“ bringt deutlich die gute alte Hoffnung wieder ins Spiel. Soll sogar schonmal vorgekommen sein, dass auch einer von den Toten wieder auferstanden ist.
Ein passender Song für viele Momente, wenn auch nicht fürs Fitnessstudio.

New Wellness (Instagram)

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Crisko – „Kokain“ (Crisko // 19.01.’24)

Das rückhaltlose „Kokain“ wurde natürlich schon des öfteren als dienliche Metapher für besonders reizende Sachverhalte verwendet. Ob Eric Clapton, Hannes Wader, Dillinger, Konstantin Wecker oder von vermutlich jedem Cloud Rapper der jüngeren Generation. 
Crisko bringt eine Coverversion des Boris Bukowski Klassikers zu Tage. Eine Version die das reizvolle, wie aber auch das zerstörerische Element hervorhebt. In diesem Fall als Sinnbild einer scheinbar toxische Beziehung.

Crisko (Instagram)

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Hearts Hearts – „Bad Spring“ (Parramatta // 19.01.’24)

“Bad Spring” ist die fünfte Single des kommenden vierten Albums der Hitmaschinerie Hearts Hearts.
Inhaltlich immer am Zahn der Zeit, bringen die vier Wiener gegenwärtige Betrachtungen auf den Punkt, ohne dabei musikalische Kompromisse einzugehen. Denn darauf kommt es letztlich an. 
Hier werden nicht nur Meinung mit Beats unterlegt um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Kunst steht hier klar im Vordergrund. Hearts Hearts schaffen in dieser Angelegenheit immer die richtige Balance. 
In diesem Fall die Balance eines Leichtigkeit versprühenden funky Popsongs und einem ernst gemeinten – wenn auch nicht ernst klingendem Shoutout nicht den Kopf in den Sand zu stecken und nicht den eigene Einfluss auf Veränderung zu unterschätzen. Denn wer gar nicht dran glaubt etwas ändern zu können, erfüllt sowieso seine düstere Prophezeiung.

Hearts Hearts

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Umami – „Dig in Deeper“ (Umami Records // 12.01.’24)

Der Umgang mit neuen Medien ist für die junge Generation kein Problem. Die wachsen ja schließlich auf damit.
Doch scheinbar gerät auch diese in Anbetracht der Vielzahl an Möglichkeiten an Ihre Grenzen. Werden genauso wie Experten gar überrollt vom technischen Fortschritt. Da kann man schonmal den Blick fürs Wesentliche verlieren.
Die junge Band mit dem geschmackvollen Namen Umami widmet diesem Ohnmachtsgefühl ihre neue Single “Dig in Deeper”. In einem poppig souligem Ausruf wird hier der Wunsch nach Klarheit, Echtheit und Tiefe wunderbar vertont.

Umami (Instagram)

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HIGH TRANSITION – „Space Deville“ (Iam Records // 12.01.24)

Die Heavy Rock Band HIGH TRANSITION aus Salzburg präsentiert mit „Space Deville“ einen Crossover Ansatz. Synthesizer gesellen sich zu den verzerrten Gitarren und geben der Musik ein spaciges Arrangement, das nicht mit dem Gefühl der Empathie punkten möchte.
Gepaart mit dem Sci Fi anmutenden Musikvideo wird mehr das Gefühl eines sich Fremd fühlens in der Welt transportiert. Eine Welt, in der die Menschlichkeit schlussendlich gänzlich verloren gegangen ist. Ein Soundtrack für dystopische Actionfilme wie Mad Max, Terminator oder auch zur Untermalung aktueller Berichterstattung der täglichen Nachrichten.

HIGH TRANSITION

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Laikka – „Lava“ (Fabrique Records // 12.01.’24)

„Lava“ symbolisiert die Auseinandersetzung mit dem inneren Ich, das tief in uns schlummert und vielleicht genauso formbar ist wie Lava. Also nicht so starr wie unsere scheinbar unveränderliche Erdkruste.
Dunkle, wummernde Synthie-Bässe und ein aus der Ferne erklingendes Synthie-Arpeggio suggerieren eine fiktive U-Boot-Reise entlang des Erdmantels bis zum inneren Erdkern. Ob so etwas schon für zahlungskräftige Kunden angeboten wird? Den Soundtrack gibt es jedenfalls ab sofort. „Lava“ ist die bisher ausgereifteste Produktion des Wiener Elektronik-Duos Laikka.

Laikka

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