Stehen ökonomische Verwertbarkeit und kreatives Schaffen im Widerspruch zueinander? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Ist es heute aus finanzieller Sicht überhaupt noch attraktive oder sinnvoll, sich als KünstlerIn zu betätigen? Im Rahmen des von Ö1 veranstalteten Symposiums mit dem Titel “Creative Cities. Das Versprechen der kreativen Ökonomie” versuchen ExpertInnen am 31. März im Wiener Radiokulturhaus Antworten auf die aktuellen Fragen der Kreativwirtschaft zu geben.
2009 ist das “Jahr der Kreativität und Innovation”. Grund genug für die Europäische Union sich nun vermehrt auch der “Förderung der Kreativität” zu widmen, gelten die “Creative Industries” nach dem Ende des Industriezeitalters doch als eine Art wirtschaftliches Hoffnungsgebiet. Anders noch als vor wenigen Jahren gelten lebenslange Dienstverhältnisse auf Lebenszeit als Auslaufmodell. Vielmehr werden es die Menschen ihr Geld mit so genannten “befristeten Projekten” verdienen. Flexibilität lautet das Zauberwort. Als Motor für zukünftige Arbeitsformen soll unter anderem die Kreativwirtschaft herhalten. Arbeitsplätze, so versprechen sich manche, entstehen zu Hause, Projekte laufen über virtuelle Netzwerke ab. Es sind Menschen in kreativen Berufen, wie etwa Künstler, Entertainer, Musiker, Autoren oder Designer die mehr als noch bisher zum einem höheren Wirtschaftswachstum beitragen sollen. Besonders Städte bieten für derartige Entwicklungen die notwendigen Infrastrukturen. So zumindest die Hoffnung mancher.
Doch wie sieht die Realität aus? Nur wenige profitieren tatsächlich von der “Wertschöpfung der so genannten Ideenwirtschaft”. Meist ist es die Kulturindustrie, welche die Gewinne – sollte es diese im Schatten der derzeitigen Wirtschaftskrise überhaupt geben – einstreift. Die Kunstschaffenden selbst gehen allzu oft leer aus. Das Österreich hier keine Ausnahme bildet, zeigt unter anderem das Ergebnis der in vergangenen Jahr durchgeführten Studie zur sozialen Lage KünstlerInnen in Österreich. Immer noch ist das Durchschnitteinkommen der Kunstschaffenden sehr gering. Zudem nehmen diverse gesetzliche Regelungen keine Rücksicht auf das Arbeitsumfeld und die damit verbundenen Beschäftigungsverhältnisse der KünstlerInnen.
Um die “Creative Cities” Realität werden zu lassen, müssten im ersten Schritt die Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen Kulturschaffende in einem gewissen Maße abgesichert agieren können. Zudem muss man natürlich auch die Frage stellen, wie viel ökonomischen Druck kreative Prozesse überhaupt vertragen, ob es sinnvoll ist, diese nach ihrem finanziellen Eintrag zu bewerten.
Um diesen Fragen nachzugehen und einen Ausblick auf mögliche Zukunftsszenarien zu geben, lud die Ö1-Wissenschaftsredaktion eine Reihe internationaler Experten zu einem eintägigen Symposium nach Wien. Vorträge halten unter anderem Richard Barbrook (Westminster University, London), Diedrich Diederichsen (Kulturwissenschafter, Berlin/Wien), Geert Lovink (Institute of Network Culture, Amsterdam), Inke Arns (Hartware Medienkunstverein, Dortmund), Jaime Stapleton (Experte für Intellectual Property, University of London) und Maurizio Lazzarato (Soziologe und Philosoph, Paris). Im Anschluss an die Referate diskutieren Andreas Spiegl (Vizerektor der Akademie der Bildenden Künste), Monika Mokre (Politikwissenschafterin, “FOKUS”), Christoph Thun-Hohenstein (departure Geschäftsführer), Stefan Leitner-Sidl (Gründer der Schraubenfabrik), Walter Gröbchen (Labelbetreiber) und die Künstlerin Marion von Osten über die Frage “Vom Versprechen der kreativen Ökonomie: Fantasma oder Paradigmenwechsel?”.
Das Symposium wird von der Ö1-Wissenschaftsredaktion in Kooperation mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung; departure – wirtschaft, kunst und kultur gmbh, dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF und impulse – Austria Wirtschaftsservice GmbH veranstaltet.
Ö1 – Creative Cities
Radiokulturhaus