Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wartet die dritte Ausgabe des Festivals e_may am 14. und 15 Mai mit spannenden Neuerungen auf. Das festival für neue und elektronische musik hat mit dem Wiener Konzerthaus eine neue Location gefunden. Erstmals gibt es auch – in Kooperation mit IMA Institut für Medienarchäologie – einen Schwerpunkt: die Pionierin der elektronischen Musik, Eliane Radigue. Zusätzlich präsentiert e_may vier Ensembles mit vier Konzerten, davon drei Uraufführungen von Auftragswerken der österreichischen Komponistinnen Pia Palme, Elisabeth Schimana und Andrea Sodomka. Das Festival findet im Zuge der Reihe “Im Loth” statt.
e_may wurde 2007 von der Komponistin Pia Palme und der Performerin Gina Mattiello ins Leben gerufen, um die Kräfte der internationalen Komponistinnenszene zu bündeln und sichtbar zu machen. Inzwischen hat sich das Festival für neue und elektronische Musik als Treffpunkt höchst individueller Kompositions- und Improvisationsansätze zwischen traditioneller Klangerzeugung und Elektronik positioniert. Dabei sprengt e_may das Format eines traditionellen Konzertfestivals. Seit seiner Gründung steht das Festival für eine Öffnung zu anderen Kunstsparten wie Videokunst, Performance und bildende Kunst.
Nina Polaschegg, Musikwissenschafterin und Moderatorin, über das Festival:
e_may – “elektronischer Mai” – ein Festival nicht nur für elektronische Musik, aber doch eines, bei der Elektronik kein Zusatz, sondern selbstverständliches Instrumentarium ist. e_may – ein Komponistinnen-Netzwerk, interdisziplinärer Ideenpool, entstanden durch den Wunsch, das Potential der in Wien lebenden Komponistinnen-Performerinnen aus den kleinen Clubs herauszuholen und einem breiteren Publikum vorzustellen.
e_may – ein Festival im Mai, die Grundideen bleiben gleich, die Ausgestaltung lebendig; die Besonderheit zur dritten Festivalausgabe: ein Schwerpunkt, gewidmet einer Elektronikerin der ersten Stunde: Eliane Radigue.
Das Programm 2009
Erstmals widmet sich e_may einem Schwerpunktthema, der französischen Komponistin Eliane Radigue. Seit den 60er Jahren komponiert sie elektronische Musik. Die französische Komponistin ist sowohl Pionierin der elektronischen Musik als auch der Minimal Music. Ihre Musik gleicht einem langsamen Strom, der sich durch dichte, kaum wahrnehmbare Klangveränderungen bewegt. Eine zeitlose Architektonik tiefer Klänge, die nicht nur den Verstand oder das Hören ansprechen, sondern den ganzen Körper.
2006 erhielt sie die Goldene Nica des Prix Ars Electronica für digitale Musik.
Erst in den letzten Jahren wurde sie von einer jüngeren Generation als maßgebliches Vorbild entdeckt. Derzeit schreibt Radigue ausschließlich für akustische Instrumente.
In Zusammenarbeit mit IMA Institut für Medienarchäologie bringt e_may ein umfangreiches Porträt der Komponistin. Präsentiert werden einige ihrer frühen elektronischen Werke, neue Arbeiten für akustische Instrumente und das IMA fiction porträt #4 09. Mit der Präsentation dieses Videos hat nun auch die Forschungsarbeit verstärkt Eingang ins Festival gefunden.
Emmanuel Holterbach, Archivar und Biograf Eliane Radigues, wird auch selbst als Komponist zu hören sein.
Darüber hinaus präsentieren die österreichischen Komponistinnen Pia Palme, Elisabeth Schimana und Andrea Sodomka ihre Auftragswerke.
Manon Liu-Winter und Gregor Ladenhauf bedienen in Elisabeth Schimanas Stück Höllenmaschine II den von Robert Moog für den österreichischen Komponisten Max Brand entwickelten Max Brand Synthesizer.
Andrea Sodomka entwickelt eine Komposition für Akkordeon, Stimme und Live-Elektronik. Pia Palme entwirft ein Stück für Ensemble und Live-Elektronik, in dem u. a. Judith Unterpertinger (Innenraumklavier) zu hören sein wird; mitwirkend ebenso Yoshie Maruoka als Performerin. Zwischen den Performances moderiert die auf Neue Musik spezialisierte Musikwissenschaftlerin Nina Polaschegg.
Programm:
14. Mai 2009
ab 20:00
Eliane Radigue
Naldjorlak II (2007)
Carol Robinson, Bassetthorn ? Bruno Martinez, Bassetthorn
IMA fiction porträt #4 09 Eliane Radigue (Video)
Emmanuel Holterbach
Acoustic Phenomena for Junk, Exotic Instruments and Oscillators (2007 – ongoing)
Pia Palme
AX.WHO. (2009 UA)
Margarethe Deppe, Cello ? Alexander J. Eberhard, Viola ? Electric Indigo, Synthesizer ? Pia Palme, Aerofone & Elektronik ? Judith Unterpertinger, Innenklavier ? Bernhard Ziegler, Kontrabass ? Yoshie Maruoka, Performance und -konzept
Armin Anders: Künstlerische Beratung ? Toshio Nakae: Texte ? Gen Seto: Performance Assistent ? Velli Vandulaki: Papierkunst
15. Mai 2009
ab 20:00
Eliane Radigue
Elektronische Werke:
Jouet Electronique (1967)
Arthésis (1973)
Biogénésis (1973)
Klangregie: Emmanuel Holterbach
Elisabeth Schimana
Höllenmaschine II für den Max Brand Synthesizer (2009)
Max Brand Synthesizer OperatorInnen: Manon Liu Winter, Gregor Ladenhauf
Andrea Sodomka
The Broken Heart Suite (2009 UA)
Heidelinde Gratzl: Akkordeon ? Andrea Sodomka: Laptop ? Norbert Math: Netbook & Live-Electronics ? Lisa Brandstötter: Live-Stimme ? coral-x: virtual voice mit den Stimmen von: Isabella Bordoni, August Black, Magdalena Vetter, Josef Schick u.a.
Organisation/Konzept: Gina Mattiello, Pia Palme, Elisabeth Schimana
Moderation: Nina Polaschegg
Video/Dokumentation: Christian Haake
Organisation Wiener Konzerthaus: Barbara Lebitsch
In Kooperation mit und unterstützt von:
Wiener Konzerthaus ? IMA Institut für Medienarchäologie ? bmukk ? MA7 Kulturabteilung der Stadt Wien ? SKE ? MICA ? SKUG ? Verein suono ? NÖ Kultur ? Max Brand Archiv Langenzersdorf
Foto 1 © e_may/jade
Foto 2 © IMA fiction portrait #4 09
Foto 3 © David Palme