Delicious Red – These broken arms

Dass die vier Jungs von Delicious Red es verstehen, richtig ordentlich abzurocken, weiß man, dass sie die Begriffe „Alternative“ und „Indie“ nicht nur den herkömmlichen Mustern folgend zu deuten wissen ebenso, und doch, das neue Album „These broken arms“ ist eines, das zu überraschen vermag. Die inzwischen von Wien nach Berlin umgezogene Band zeigt sich drei Jahre nach der bislang letzten Veröffentlichung deutlich gereift. Der ungestümen Wildheit vergangener Tage ist nun Struktur und Ordnung verliehen worden, wiewohl auch die insgesamt zwölf neuen Songs noch immer mit einem hohen Energiepegel aus den Boxen schallen. Die Balance zwischen eingängigen Melodien und anspruchsvollem Songwriting vom ersten bis zum letzten Ton aufrecht erhaltend, schaffen sich Delicious Red ihre eigene Version von Rockmusik, die zum einen richtig abgeht, dennoch aber auch herausfordert, sich mit ihr näher zu beschäftigen.

Nun, einen ganz großen Star der internationalen Sportszene dürfen Delicious Red schon einmal den ihren Fan nennen. Thomas Vanek, im Dress der Buffalo Sabres einer der wohl bestbezahlten Eishockey-Spieler der NHL, hat so großen Gefallen an dem gefunden, was die vier Jungs Dominik, Stephan, Georg und Daniel fabrizieren, dass er sie kurzerhand eingeladen hat, für ihn seinen offiziellen Song zu schreiben. Eine Anerkennung, die vermutlich noch nicht allzu viele erhalten haben. Die Band aber stilistisch alleine an dieser einen besagten Nummer mit dem Titel “Euphoria” festzumachen, wäre vollkommen unzureichend, hat sie doch, wie man auch auf dem neuen Album „These broken arms“ deutlich hört, doch weit mehr auf dem Kerbholz.

Der inzwischen in der deutschen Hauptstadt ansässige Vierer weiß, wie man den Spannungsbogen durchgehend hochhält, wie man die Songs so aufbaut und gestaltet, dass sie ihren Reiz nicht schon nach kurzer Zeit verlieren. Sich bewusst nicht dem in der gitarrenorientierten Musik vielfach praktizierten Schema F entlang hantelnd, lassen sie auch schon einmal Passagen zu, in denen auch mal „progressiver“, rhythmisch vertrackter und anspruchsvoller werden kann. Was Delicious Red sehr gut beherrschen, ist der immer wieder durch interessante Breaks eingeleitete Wechsel zwischen ruhigen, melodiösen und heftigeren, fast schon ins Noisige ausufernden Momenten, welcher für ständige Abwechslung sorgt. Hin und wieder lassen sich zwar leichte Linien hin zur amerikanischen Formation Billy Talent ziehen, was aber dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch tut, bewahrt die vierköpfige Truppe doch erfreulicherweise über genügend eigene Ideen und Input durchgehend die notwendige musikalische Distanz zu dieser.

Delicious Red liefern mit „These broken arms“ ein wirklich beachtliches Comeback-Album ab, eines das internationale Klasse besitzt und schlicht und einfach Lust auf mehr macht. (mt)

 

http://www.deliciousredmusic.com