100 Prozent – Behind the Scenes 2025: Smaranda Krings

Mit dieser Serie bündelt mica – music austria die Erfahrungen und Sichtweisen von Frauen im Musikbusiness. 2025 blicken wir Behind the Scenes und widmen uns den Personen, die hinter den Musiker:innen stehen. Ungeachtet vorhandener Kategorien, Quoten oder Zuordnungen braucht es uns alle um zu 100% für Feminismus einzutreten.

Wie und wo hast du Erfahrungen in der Musikbranche gesammelt?

Smaranda Krings: Angefangen habe ich 2015/16 als ich Benefizkonzerte und Clubveranstaltungen für den guten Zweck mitorganisiert hab. Das war ein schöner Einstieg in die Szene, weil alle Beteiligten voll dahinter standen und mit ihrer Musik einfach Positives bewirken wollten. Es ging nicht um irgendwelche Deals, man musste sich nicht mit den Ungerechtigkeiten in der Musikindustrie auseinandersetzen, es ging einfach darum, eine gute Zeit zu haben und Geld für karitative Zwecke zu sammeln.

Im Jahr 2020 kam Mwita Mataro auf mich zu und wollte ein Musik-Showcase-Format umsetzen – wir nannten es QMA On Stage. Es wurde in die Initiative QMA integriert, die ich bereits 2019 mitgegründet hatte. In den folgenden Jahren gab es Showcases beim Festival WAVES VIENNA und in der Villa Lala. Inzwischen ist das Format zu einer Musik-Residency mutiert. Jährlich laden wir drei Acts ein, mit uns eine Woche im Studio bei Fiakka Studios zu verbringen und von geladenen Mentor:innen zu lernen oder mit ausgewählten Produzent:innen zu arbeiten. Ich habe hier durch Kolleg:innen wie Mbatjiua Hambira und Tonica Hunter wertvolle Einblicke bekommen und viel lernen können. Bei einem dieser Residencies hab ich auch die Musikerin Chovo kennengelernt, die ich seitdem manage.

Hattest du in deiner Umgebung Role Models, an denen du dich orientieren konntest? Welche Vorbilder haben Frauen in der Musikbranche derzeit?

Smaranda Krings: Ich habe viel von Mwita Mataro gelernt. Als Freunde und Kollegen haben wir in den letzten Jahren viel gemeinsam erlebt und ich bewundere immer wieder, wie er es schafft, in einer Musikbranche, die sonst sehr von Konkurrenz geprägt ist, immer wieder Verbindungen zu schaffen. Er schafft Möglichkeiten für andere und lebt nach der Devise, dass man nur dann weit kommt, wenn man alle mitnimmt.

Aber auch die Musikerin Chovo, die ich manage, ist mir ein Vorbild. Obwohl sie erst seit zwei Jahren Musik veröffentlicht, macht sie das mit einer Selbstverständlichkeit und einer Power, die ihresgleichen sucht. Ich spüre das in der Zusammenarbeit aber ich glaube, das merken auch die Fans. Sie zeigt, dass alles möglich ist, was man sich in den Kopf setzt.

„Um Solidarität zu fördern, ist es erstmal wichtig, sich bewusst zu machen, dass es eine Notwendigkeit dafür gibt.“

Wie können sich Frauen (FLINTA*s) gegenseitig unterstützen und Solidarität in ihrem beruflichen Umfeld fördern?

Smaranda Krings: Um Solidarität zu fördern, ist es erstmal wichtig, sich bewusst zu machen, dass es eine Notwendigkeit dafür gibt. Es gibt immer noch viele FLINTAs, die glauben, dass die Schwierigkeiten, die sie in einer Szene haben, konkret an ihnen liegen. Es ist wichtig zu erkennen, dass es sich um strukturelle Probleme handelt. Der Großteil der professionellen Musikbranche ist ein All Boys Club und sich hier als Frau durchzusetzen ist schwer. Was wir brauchen, ist ein All Girls Club, also Spaces, wo FLINTAs sich gegenseitig unterstützen. Es kann nicht schaden, wenn jetzt eine Zeit kommt, in der Frauen überproportional auf Festivals vertreten sind, wo hier mal mehr Aufmerksamkeit drauf gelenkt wird. Allmählich wird es sich sowieso wieder einpendeln.

Solidarität kann auch bedeuten bei Bookinganfragen herauszufinden, wer sonst noch angefragt wurde und hier Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam können dann angebotene Gagen diskutiert und in der Gruppe dann gemeinsam auf Fair Pay gepocht werden. Hier es ist wichtig Standards zu setzen, auch wenn das heißt, dass man es sich vielleicht mit irgendeinem Typen schlechter stellt.

„Was wir brauchen, ist ein All Girls Club, also Spaces, wo FLINTAs sich gegenseitig unterstützen.“

Man muss als Frau nämlich gar nicht immer lieb und nett sein, wie wir alle erzogen wurden. Sich anzutrainieren auch mal hart zu sein, ist wichtig. Und wenn ein Mann darauf schlecht reagiert, tja, mit so jemanden will man sowieso nicht zu tun haben. Diese Erfahrungen mit anderen Frauen zu teilen und sich gegenseitig auf problematische Männer aufmerksam zu machen, ist wichtig und eine gute Art, Solidarität zu leben.

Denn wir wissen alle, dass Musiker:innen nur schwer von ihrer Musik leben können und auch viele andere Akteur:innen in der Branche haben zu kämpfen. Aber meiner Meinung nach, müssten doch Veranstalter:innen und Booker:innen von ihrer Liebe zur Musik und den Musiker:innen angetrieben sein. Sie müssten doch die ersten sein, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Es ist klar, dass das schwierig ist und viele Faktoren eine Rolle spielen, aber allein zu sehen, dass sich jemand bemüht, ist schon viel wert.

Was kannst du besser als ein Mann in der Branche?

Smaranda Krings: Mit weiblichen Musikerinnen arbeiten. Die wenigsten Männer machen sich die Mühe ihre eigene Männlichkeit zu reflektieren, und reproduzieren so mehr oder weniger stark auch im beruflichen Umfeld ihre Dominanz. In enger Zusammenarbeit mit Musikerinnen, wäre das aber sehr wichtig. Ein wertschätzendes und und rücksichtsvolles Umfeld ist wichtig, um die Kreativität zu zu fördern und das Beste aus den Musikerinnen zu holen.

Smaranda Krings ist eine in Wien lebende Kulturmanagerin und Kuratorin mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von Kunst, Musik und sozialen Themen. Sie ist spezialisiert auf Projektdesign, Management und Produktion mit Schwerpunkt auf nachhaltigem Community Building. Sie im Expert:innen-Pool von D – Arts, in der Projektleitung von QMA aktiv sowie freiberuflich im Musik-Management und als Kuratorin für diverse Projekte tätig. Sie begründete gemeinsam mit Mwita Mataro QMA on stage und ist Managerin der Musikerin Chovo.

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